
Herstellergebundenes vs. herstelleroffenes Lastmanagement?
Das Wichtigste kurz zusammengefasst:
- Die Wahl des Lastmanagementsystems hängt von den Anforderungen ab: Kleine Installationen können herstellergebunden sein, während herstelleroffene Lösungen für große, flexible und zukunftssichere Projekte besser geeignet sind.
- Ein herstellergebundenes Lastmanagement eignet sich vor allem für wenige Ladepunkte ohne geplanten Ausbau. Es bietet hohe Zuverlässigkeit durch weniger Schnittstellen, ist aber weniger flexibel und schwer skalierbar.
- Ein herstelleroffenes Lastmanagement ist ideal für Projekte mit vielen Ladepunkten oder einer geplanten Erweiterung. Es ermöglicht eine flexible Gerätewahl und einfache Skalierung sowie komplexe Steuerungen.
- Funktionalitäten wie PV-Überschussladen, Priorisierung und AC-/DC-Kombination erhöhen die Effizienz, senken Kosten und vermeiden Netzüberlastung. Die Gesetzeskonformität nach § 14a EnWG ist dabei zwingend erforderlich.
Mehrwerte und Anforderungen an Lastmanagementsysteme für E-Fahrzeuge
Netzstabilität sicherstellen, Effizienz steigern, Kosten senken: Ein dynamisches Lastmanagement, das die Ladung von E-Fahrzeugen intelligent steuert, bietet viele Mehrwerte. Neben PV-Überschussladen, KI-Funktionen oder der Priorisierung von Ladevorgängen ist bei der Entscheidung für die richtige Lösung wichtig. Sowohl herstellergebundene als auch herstelleroffene Varianten haben ihre Berechtigung und Anwendungsfälle. Doch welche sind dies konkret und worauf sollten Eigentümergemeinschaften bei Mehrfamilienhäusern oder Unternehmen mit einer E-Flotte bei der Auswahl achten?
Die Elektromobilität befindet sich weiterhin im Aufwind. So berichtet der ADAC, dass 20 Prozent der im August 2025 neu zugelassenen Fahrzeuge E-Autos sind. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Doch die Zunahme an Elektromobilität trägt verbunden mit immer mehr erneuerbarer Energie dazu bei, dass das Netz häufiger hohen Belastungen und Schwankungen ausgesetzt ist, was die Stabilität beeinträchtigt. Helfen können hier dynamische Lastmanagementsysteme wie unsere Lösung Lobas, die Ladevorgänge steuern. Und auch vor dem Hintergrund der gleichzeitigen Ladung mehrerer Fahrzeuge, beispielsweise bei Unternehmen, ist eine Steuerung unabdingbar, um alle E-Autos zum richtigen Zeitpunkt aufgeladen zu haben. Ein Aspekt, der bei der Wahl eines Lastmanagement ebenfalls immer wieder zur Sprache kommt, ist die Frage nach der Kompatibilität.

Herstellergebundenes vs. herstelleroffenes Lastmanagement
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen herstellergebundenen und herstelleroffenen, auch herstellerneutral genannten, Lastmanagementlösungen. Während bei Ersteren Wallbox und Lastmanagement vom selben Hersteller stammen müssen, können bei Letzteren Geräte von unterschiedlichen Anbietern eingesetzt werden. Für beide Varianten gibt es gute Gründe.
Wann macht ein herstellergebundenes Lastmanagement Sinn?
Eine Herstellerbindung ermöglicht eine Abstimmung zwischen Ladelösung und Lastmanagement, die auf die gemeinsame Nutzung ausgelegt sind. Entsprechend werden für den Betrieb weniger Schnittstellen benötigt, die die Kommunikation sicherstellen. Das bedeutet vor allem mehr Zuverlässigkeit, da weniger Übertragungswege ausfallen oder zu Problemen führen können.
Und auch aus Sicht der einbauenden Installationsbetriebe kann eine Komplettlösung aus einer Hand Vorteile mit sich bringen. Denn hier können sich Installateur*innen sicher sein, schnell und einfach ein funktionierendes System bereitzustellen, was die Arbeit erleichtert und zugleich für zufriedene Kund*innen sorgt.
Der Funktionsumfang eines Lastmanagements unterscheidet sich in statischem und dynamischen Lastenmanagement. Zudem richtet er sich nach der Anzahl der Ladepunkte, die angebunden werden können. Herstellergebundene Systeme sind häufiger statisch und auf wenige Ladepunkte ausgelegt. Das erschwert sowohl den Betrieb nach individuell konfigurierten Laderegeln als auch eine Priorisierung von Ladevorgängen. Ebenso ist die Skalierung des Systems zumeist mit größerem Aufwand verbunden.
Insgesamt eignet sich ein herstellergebundenes System besonders für den Einsatz bei wenigen Ladepunkten, die in Reihe geschaltet werden können, wobei die Last gleichmäßig auf alle E-Autos verteilt wird. Bei einem späteren Ausbau der Ladeinfrastruktur, wenn sich beispielsweise die E-Flotte eines Unternehmens vergrößert oder in einem Mehrfamilienhaus weitere Elektro-Fahrzeuge hinzukommen, ist zu beachten, dass nur weitere herstellergebundene Produkte eingesetzt werden können. Anderenfalls würde auch das bisherige Lastmanagementsystem nicht mehr reibungslos funktionieren.
Wann ist ein herstelleroffenes Lastmanagement vorteilhaft?
Anders ist dies bei einem herstelleroffenem Lastmanagement. Denn hierbei werden die Ladepunkte von möglicherweise verschiedenen Herstellern durch ein übergeordnetes System gesteuert. Daher eignet sich eine herstelleroffene Lösung deutlich besser für die Erweiterung einer Ladeinfrastruktur im Bestand, also Projekte, bei denen ein Lastmanagement nachgerüstet wird. Dank der Herstellerneutralität kann dabei flexibel das beste Produkt für die eigenen Bedürfnisse gewählt werden.
Die Flexibilität eines herstelleroffenem Lastmanagements zeigt sich zudem in der Skalierbarkeit. Projekte mit besonders vielen Ladepunkten oder solche, bei denen bereits zu Beginn klar ist, dass es mit der Zeit einen Ausbau geben wird, profitieren. Denn entsprechende Lösungen sind meist nicht auf eine bestimmte Anzahl von Ladepunkten beschränkt. Zudem können Multilevel-Anforderungen, wie die hierarchische Steuerung der Ladeleistung über mehrere Ebenen, zentral umgesetzt werden. Bietet ein Unternehmen beispielsweise Parkplätze in einem Parkhaus und im Außenbereich, können beide Parkgelegenheiten mit nur einer Lösung gesteuert werden. Weitere Vorteile bieten die Systeme durch frei konfigurierbare Laderegeln oder paritätisches Lastmanagement, bei dem die Ladeleistung an die jeweils aktuell verfügbare Energiemenge angepasst wird. Die Datensicherheit ist dabei durch einen lokalen Controller sichergestellt.
Gerade Unternehmen stehen oft vor der Herausforderung, viele Fahrzeuge gleichzeitig zu laden, ohne eine Überlastung des Netzes zu verursachen. Mit einem herstelleroffenen System lässt sich der AC- und DC-Betrieb kombinieren. So kann mit Wechselstrom und der Umwandlung des Stroms erst im Bordlader des Fahrzeugs eine netzschonende Ladung vorgenommen werden (AC). Für E-Autos, die nur kurze Zeit vor Ort sind, beispielsweise weil sie Gästen gehören oder von Außendienst-Mitarbeitenden genutzt werden, die nur temporär am Firmensitz präsent sind, bietet sich das Schnellladen an. Dies läuft über Gleichstrom, der bereits in der Ladestation nutzbar gemacht wird (DC).

Herstellergebundenes und herstelleroffenes Lastmanagement
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Herstellergebundenes und herstelleroffenes Lastmanagement
Herstellergebundenes Lastmanagement
Herstelleroffenes Lastmanagement
Gesetzeskonformität und Zukunftssicherheit
Eine wirklich intelligente Steuerung, die Effizienz bietet und kostengünstig ist, beinhaltet unterschiedliche Funktionalitäten. PV-Überschussladen beispielsweise, stellt einen hohen Eigenverbrauch sicher. Es sorgt dafür, dass das Fahrzeug erst dann geladen wird, wenn Strom zur Verfügung steht und nicht teuer aus dem Netz bezogen werden muss. Zudem kann eine priorisierte Ladung Vorteile bieten, wenn E-Autos regelmäßig für unterschiedliche Zeitspannen angeschlossen sind.
Neben einem speziellen Funktionsumfang sollten Unternehmen oder Hausgemeinschaften jedoch auch die Gesetzeskonformität in den Blick nehmen. Im Zentrum dabei steht der Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Er legt fest, dass Netzbetreibern erlaubt werden muss, sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen bei drohender Netzüberlastung zeitweise herunterzuregeln. Zu diesen Einrichtungen gehören neben Wärmepumpen beispielsweise auch Wallboxen. Um hier Konformität zu erreichen, muss das Lastmanagement in der Lage sein, entsprechende Befehle vom Netzbetreiber zu empfangen und umzusetzen. Daher wurde unser herstelleroffenes Lastmanagementsystem Lobas seit Markteinführung weiterentwickelt und verfügt nun über eine neue Hardwarekomponente mit digitalen potenzialfreien Eingängen und Anschlüssen, die Informationen von externen Geräten aufnehmen, und so die Voraussetzung zur Erfüllung des Gesetzes schaffen. Zudem übernimmt die optimierte Komponente zur Absicherung kritischer Infrastrukturen die Kommunikation mit dem Netzbetreiber. Damit sind Unternehmen langfristig zukunftssicher aufgestellt.
Fazit: Es kommt auf die spezifischen Anforderungen an
Ganz gleich ob Eigenheimbesitzer*innen, kleine Hausgemeinschaften oder Unternehmen: Wo eine Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge aufgebaut wird, sollte ein Lastmanagementsystem nicht fehlen. Welche Lösung dabei die richtige Wahl ist, hängt vor allem von den jeweiligen Anforderungen und Gegebenheiten ab. Während sich bei Projekten mit wenigen Ladepunkten, bei denen kein zukünftiger Ausbau geplant ist, auch herstellergebundene Systeme eignen, ist ein herstelleroffenes Lastmanagement dort ideal, wo mehr Flexibilität gefragt ist. Dies gilt insbesondere im Bestand, bei Multilevel-Anforderungen, wenn viele Ladepunkte bedient werden oder in Bezug auf einen kombinierten AC- und DC-Betrieb. Nicht zuletzt sollte jedoch auch die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben im Blick behalten werden.
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