Klimaanpassungskonzept für Kliniken
Wie Kliniken dem Klimawandel entgegenwirken
Deutschlands Krankenhäuser müssen sich zunehmend an die Folgen des Klimawandels anpassen. Häufigere Extremwetterereignisse wie Stürme, Starkregen oder langanhaltende Hitzeperioden belasten nicht nur vulnerable Patient*innen, sondern auch Infrastruktur, Technik und Personal. Klimaresiliente Krankenhäuser begegnen diesen Herausforderungen mit baulichen und organisatorischen Maßnahmen wie Hitzeschutz, Hochwasser- und Sturmsicherheit, gesicherter Energie- und Wasserversorgung, angepassten Arbeitsbedingungen sowie Frühwarn- und Monitoringsystemen.

Im Folgenden werden diese zentralen Anpassungsstrategien vorgestellt und ihre Bedeutung für eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung erläutert. Die Grundlage für diese Maßnahmen bildet ein Klimaanpassungskonzept.
Inhaltsverzeichnis
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- Klimawandel – Warum Krankenhäuser besonders betroffen sind
- Klimaanpassung versus Klimaschutz: Was ist der Unterschied?
- Klimaanpassungsmaßnahmen im Krankenhaus: Welche Möglichkeiten gibt es?
- Herausforderungen auf dem Weg zum klimaresilienten Krankenhaus
- Klimaanpassung als Teil der ESG-Nachhaltigkeitsberichtserstattung von großen Klinikverbünden
- Die Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes für Krankenhäuser wird bis zu 80 Prozent gefördert
- Inhalte eines Klimaanpassungskonzeptes
- Fazit
Klimawandel – Warum Krankenhäuser besonders betroffen sind
Um Patient*innen, Besucher*innen und Beschäftigte vor den Folgen des Klimawandels zu schützen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, stehen Krankenhäuser vor einer komplexen Herausforderung. Krankenhäuser haben im Vergleich zu anderen Einrichtungen einen hohen Kühlbedarf, da einerseits viele der Patient*innen zu Risikogruppen zählen und diese besonders unter hohen Temperaturen leiden. Andererseits muss die eingesetzte Technologie im Betrieb gekühlt werden, um nicht zu überhitzen. Hinzu kommt, dass viele Geräte – etwa Infusomaten oder bildgebende Systeme – zusätzliche Wärme abgeben und so das Raumklima belasten.
Neben Hitze stellen auch andere Extremwetterereignisse wachsende Risiken dar: Starkregen und Hochwasser können kritische Infrastruktur wie Notstromaggregate, technische Betriebsräume oder medizinische Lager beschädigen. Stürme erhöhen die Gefahr von Gebäudeschäden, unterbrechen Transportwege und erschweren die Notfallversorgung. Unzureichende Abdichtungen am Gebäude und fehlende Retentionsflächen auf dem Außengelände, die überschüssiges Wasser speichern, erhöhen gleichzeitig die Anfälligkeit gegenüber Starkregen und Hochwasser.
Hinzu kommt in vielen Fällen eine veraltete Gebäudestruktur. Speziell Kliniken, die vor Jahrzehnten geplant und errichtet wurden, sind nicht auf die zunehmende Erwärmung und Extremwetter vorbereitet. Sie bilden den Großteil der Einrichtungen in Deutschland. Häufig bestehen noch keine oder nur unzureichende Konzepte zur Verschattung, Kühlung und Schutz vom Starkregen, sodass die Krankenhäuser den Extremwetterereignissen ausgesetzt sind.

Klimaanpassung versus Klimaschutz: Was ist der Unterschied?
| Klimaschutz | Klimaanpassung |
|---|---|
| Klimaschutz beschäftigt sich in erster Linie mit Maßnahmen zur Eindämmung der Ursachen für den Klimawandel, wie etwa die Emission von Treibhausgasen. Dabei geht es sowohl um Verhaltensänderungen in der Gesellschaft als auch um die Nutzung technologischer Lösungen. Ein typisches Klimaschutzziel ist beispielsweise, die Energieeffizienz im privaten und gewerblichen Bereich zu steigern, was mithilfe von Systemen für das Energiemanagement erreicht werden kann. | Klimaanpassung nimmt die Folgen des Klimawandels wie zum Beispiel extreme Hitze, Starkregen oder Stürme in den Blick und sucht nach Lösungen, um deren Auswirkungen auf die Menschen abzumildern. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit von Städten, Gebäuden oder öffentlichen Einrichtungen zu steigern. Häufig kommen dabei Maßnahmen wie die Begrünung von Gebäudefassaden und -dächern, die Optimierung des Wassermanagements oder die Einrichtung von Warnsystemen zum Tragen. |
Klimaschutz
- Klimaanpassung nimmt die Folgen des Klimawandels wie zum Beispiel extreme Hitze, Starkregen oder Stürme in den Blick und sucht nach Lösungen, um deren Auswirkungen auf die Menschen abzumildern. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit von Städten, Gebäuden oder öffentlichen Einrichtungen zu steigern. Häufig kommen dabei Maßnahmen wie die Begrünung von Gebäudefassaden und -dächern, die Optimierung des Wassermanagements oder die Einrichtung von Warnsystemen zum Tragen.
Klimaanpassung
- Klimaschutz beschäftigt sich in erster Linie mit Maßnahmen zur Eindämmung der Ursachen für den Klimawandel, wie etwa die Emission von Treibhausgasen. Dabei geht es sowohl um Verhaltensänderungen in der Gesellschaft als auch um die Nutzung technologischer Lösungen. Ein typisches Klimaschutzziel ist beispielsweise, die Energieeffizienz im privaten und gewerblichen Bereich zu steigern, was mithilfe von Systemen für das Energiemanagement erreicht werden kann.
Klimaanpassungsmaßnahmen im Krankenhaus: Welche Möglichkeiten gibt es?
Um Krankenhäuser wirksam vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, sollten Anpassungsmaßnahmen in vier Bereichen umgesetzt werden: am Gebäude, an den Außenanlagen, in der technischen Ausstattung sowie organisatorische Maßnahmen. Für einen maximalen Hitzeschutz ist eine Kombination aller Bereiche besonders effektiv. Die Möglichkeiten zur Anpassung sind vielfältig. Die hier folgende Auflistung ist eine beispielhafte Auswahl, die je nach Anforderung durch weitere Maßnahmen ergänzt werden kann.
Herausforderungen auf dem Weg zum klimaresilienten Krankenhaus
Für die Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen im Krankenhaus sind oftmals hohe Investitionen notwendig, wobei zahlreiche Einrichtungen ohnehin schon unter finanziellem Druck stehen. Hinzu kommt, dass die Umsetzung von Maßnahmen in der Regel im laufenden Betrieb erfolgen muss. Dies erfordert eine präzise Planung: Die meisten Krankenhäuser verfügen über eine komplexe Architektur mit vielen sich kreuzenden Wegen. Zudem sind verschiedene Bereiche, die zu einer Prozesskette gehören, auf organisatorischer Ebene verknüpft. Müssen bestimmte Bereiche etwa durch bauliche Maßnahmen ihre Arbeit temporär einstellen oder werden ganze Gebäudeteile kurzzeitig vom Betrieb ausgenommen, wirkt sich dies spürbar auf andere Klinikabteilungen aus. Fehlen klare im Vorhinein definierte Abläufe, drohen Verzögerungen und damit negative Folgen für Patient*innen und Personal sowie Umsatzeinbußen.
Eine spezifische Herausforderung, die speziell Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser betrifft, ist die Wahrung hygienischer Vorgaben. So muss Vorsorge dafür getragen werden, dass bei der Umsetzung zum Beispiel die Kontaminierung steriler Bereiche verhindert wird oder dass bei der Entsorgung von ausrangierten Materialien oder Stoffen keine Verschmutzung entsteht.
Dennoch gibt es positive Beispiele, die zeigen, wie der Wandel anzugehen ist. So hat energielenker für das Klinikum Lippe ein detailliertes Klimaanpassungskonzept erarbeitet.
Gut gewappnet für die Zukunft: Klimaanpassung im Klinikum Lippe
Das Klinikum Lippe umfasst mehrere Standorte, zu denen auch eine Niederlassung in Detmold zählt. Um den Belastungen durch die zunehmenden Klimagefahren in Deutschland fortan gerecht zu werden, hat die Krankenhausleitung die Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes in Auftrag gegeben: Welche spezifischen Risiken bestehen für die Einrichtung? Wie kann die Temperatur innerhalb der Gebäude gesenkt werden? Welche Schutzmaßnahme gegen Starkregen ist zielführend? Und wie kann die Umsetzung der Maßnahmen im laufenden Betrieb gelingen? In Zusammenarbeit mit energielenker ist eine zukunftsfähige Lösung entstanden, mit der das Klinikum für kommende Herausforderungen gewappnet ist.
Zum ausführlichen Bericht geht es hier entlang.
Klimaanpassung als Teil der ESG-Nachhaltigkeitsberichtserstattung von großen Klinikverbünden
Große Klinikverbünde und öffentliche Träger unterliegen zunehmend ESG-Berichterstattungspflichten. Die genauen Anforderungen werden in der EU-Taxonomie definiert. Eine der Anforderungen ist eine Klimarisikoanalyse und gegebenenfalls ein Klimaanpassungskonzept.
Da Finanzierungen – etwa für Neubauten oder Modernisierungen – immer häufiger an den Nachweis taxonomiekonformer Planung geknüpft werden, ist Klimaanpassung auch aus diesen Gründen ein entscheidender Faktor für Investitions- und Zukunftsfähigkeit im Gesundheitswesen.
Die Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes für Krankenhäuser wird bis zu 80 Prozent gefördert
Um den finanziellen Aufwand abzufedern, besteht für Krankenhäuser die Möglichkeit, verschiedene Förderungen in Anspruch zu nehmen. So unterstützt die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH mit ihren Programmen für die Erstellung von Klimaanpassungskonzepten (Förderschwerpunkt 1) sowie für deren Umsetzung (Förderschwerpunkt 2). Jeweils ist eine Förderung in Form einer Kostenbeteiligung von bis zu 80 Prozent möglich. Dabei stehen naturbasierte Maßnahmen wie Gründächer, Fassadenbegrünung, Entsiegelung, Baumpflanzungen oder Wasserflächen im Mittelpunkt. Aufgrund der kurzen Förderfenster, die sich jährlich öffnen, empfiehlt sich bei der Beantragung die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner.
Zudem besteht die Chance auf die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Ebenfalls BAFA-gefördert sind sogenannte Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle. Zusätzlich unterstützen einzelne Bundesländer Maßnahmen zur Dachbegrünung und die Errichtung von PV-Anlagen mit Fördergeldern.
Inhalte eines Klimaanpassungskonzeptes
Der große Umfang und die hohe Komplexität machen das Vorhaben, ein Krankenhaus klimaresilient zu gestalten, zu einem anspruchsvollen Projekt, für das die Unterstützung erfahrener Berater*innen empfohlen wird. Energielenker hilft Kliniken bei der Erstellung eines integrierten Klimaanpassungskonzepts, das darauf abzielt, bei Extremwetterereignissen besonders vulnerable Personengruppen zu schützen. Dazu werden passgenaue, förderfähige und umsetzbare Maßnahmen entwickelt, durch deren Umsetzung Kliniken und andere soziale Einrichtungen auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden. Die Erstellung eines entsprechenden Konzepts beinhaltet folgende Schritte:
1. Bestandsaufnahme/Betroffenheitsanalyse
Bei einer Vor-Ort-Begehung werden die Grundlagen ermittelt und erste Gespräche mit den beteiligten Akteur*innen. Dabei werden Fragen beantwortet, wie etwa: Wie wahrscheinlich sind durch den Klimawandel bedingte Hitzephasen oder Starkregenereignisse? Welche Auswirkungen auf den Klinikbetrieb sind zu erwarten? Zudem wird bei der Analyse der Ist-Situation eine Schattenwurf-Analyse für den Standort empfohlen sowie die Berechnung eines sommerlichen Wärmeschutzes für Gebäude am Standort.
2. Entwicklung Klimaanpassungsmaßnahmen
Im Anschluss werden die bestehenden Herausforderungen analysiert und vorrangig naturbasierte Lösungen in Betracht gezogen, die in einem Maßnahmenkatalog festgeschrieben werden. Es folgt die Konzeptpräsentation.
3. Nachhaltigkeitsprüfung
Wenn die Maßnahmen stehen und mit dem Krankenhaus abgesprochen sind, erfolgt im nächsten Schritt die Nachhaltigkeitsprüfung, die die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Maßnahmen untersucht.
4. Detailplan und Kostenschätzung
Die Detailplanung dient der Erstellung eines Ressourcen- und Zeitplans und definiert Meilensteine des Vorhabens. Eine Kostenschätzung nach DIN 276 gibt eine fundierte Aussage über die Höhe der einzelnen Maßnahmen und des gesamten Projektes.
5. Klimaanpassungskonzept
Alle Erkenntnisse, Ergebnisse und Maßnahmen werden in einem Dokument zusammengefasst und an das Klinikum übergeben.
Nach der Verabschiedung des Konzeptes kann die Umsetzungsbegleitung inklusive Fördermittelakquise, Planungsleistungen und Ausschreibungen erfolgen.

Fazit: Kühlen Kopf bewahren mithilfe eines Klimaanpassungskonzepts
Um Patient*innen und Personal bestmöglich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, müssen Krankenhäuser ihre oftmals veraltete Infrastruktur modernisieren und gezielte Maßnahmen für Hitzeschutz, Starkregen oder Hochwasser umsetzen. Ein Klimaanpassungskonzept bietet hierfür den strukturierten Rahmen – von der Risikoanalyse bis zur Umsetzung. Da es sich um ein komplexes und wirtschaftlich anspruchsvolles Vorhaben handelt, ist die Begleitung durch erfahrene Spezialist*innen entscheidend, um tragfähige und förderfähige Lösungen zu entwickeln. Sprechen Sie uns gerne an, um mehr über die Entwicklung eines entsprechenden Konzepts für Ihr Krankenhaus zu erfahren.





